Von der Zecke zum Dübel



Berlin (pts) – Es ist unglaublich, was Zecken alles bewirken können! Wer jetzt nur an üble Krankheiten denkt, weil ihm beim Waldspaziergang eine Zecke gebissen hat, irrt – zum Glück. Zecken haben auch etwas Positives – allemal für Markus Hollermann und Felix Förster aus Bremen. Aber auch andere, die schwere Bilderrahmen an eine Wand bringen wollen, die nicht aus massiven Steinen gemauert ist, können von einer Produktidee profitieren. Die beiden Bioniker Hollermann und Förster haben sich während ihres Studiums intensiv mit Zecken und vielen anderen Organismen beschäftigt, genauer gesagt mit den Mundwerkzeugen der Zecken und Zikaden, die sich hervorragend in verdrängungsfähige Untergründe, wie den menschlichen Körper, fixieren können.

Diese aus menschlicher Sicht „fiese Technik“ hat zu weiteren, sehr interessanten Lösungsvorschlägen geführt. Die Unternehmensgruppe fischer, ein renommierter Anbieter von Befestigungssystemen für Handwerker und Heimwerker, hat die durch ein von Hollermann und Förster durchgeführtes Screening der Natur ermittelten Wirkprinzipien aufgegriffen. Nun will der Dübelhersteller über Skizzen und Ableitungen dieser Wirkprinzipien zu einem neuen Befestigungselement kommen.

Warum eigentlich? Dübel sind doch nichts Neues. „Aber dank der energetischen Modernisierung sind viele Wände heute aus einem weicheren Material. Wärmedämmverbundsysteme und Gipskartonplatten machen es herkömmlichen Dübel zunehmend schwerer, Halt zu finden“, so Hollermann.

„Wir wollen daher zusammen mit den fischerwerken einen Dübel entwickeln, der sich „in der Luft“, also in der Wärmedämmschicht, fixieren kann – nach dem Vorbild der Natur“, ergänzt Förster. Das Forschungsvorhaben stellen Dr. Hannes Spieth, Unternehmensgruppe fischer, und Markus Hollermann am 17. März 2011 in einem Tandem-Vortrag auf dem Bionik-Industriekongress in Berlin vor.

Das Forschungsergebnis im Rahmen ihrer Abschlussarbeit bescherte Hollermann (27) und Förster (24) im letzten Frühjahr auch den „Internationalen Bionic-Award 2010“ und machte beide kurz danach zu Unternehmern.

„Wir entschlüsseln die Natur für Sie!“ Mit diesem Motto haben die beiden ihr eigenes Unternehmen „die Bioniker“ in Bremen gegründet (http://www.diebioniker.de) . Ihre erfolgreiche Arbeit im Bereich der Befestigungstechnik soll erst der Anfang von einer Reihe bionischer Entwicklungen sein, die den beiden Jungunternehmer vorschweben. Daher war es für die beiden auch keine Frage, Mitglied bei der gemeinnützigen Forschungsgemeinschaft BIOKON zu werden. BIOKON bündelt und vernetzt Aktivitäten und Expertenwissen von mehr als 90 Universitäten, Forschungsinstituten, Unternehmen und Einzelpersönlichkeiten in ganz Deutschland und Europa, damit biologische Problemlösungen und Optimierungsstrategien zielgerichtet in neuartige Produkte und Technologien münden.

„Wir haben bewusst den internationalen Studiengang Bionik an der Hochschule Bremen absolviert, weil wir auf die Natur bauen und schauen wollen, was wir noch für den Menschen nutzbar machen können,“ so die Jungunternehmer und Dienstleister auf dem Gebiet der Bionik. Bionik ist die Wissenschaft, die die Biologie mit der Technik verbindet. Der Klettverschluss und der Lotus-Effekt gehören zu den Klassikern der bionischen Forschung. Aber es gibt noch viele weitere erfolgreiche Beispiele. Eine Auswahl aus den verschiedensten Industriebereichen wie Automobil, Maschinenbau, Biomedizintechnik, Chemie, Automatisierungstechnik und Bau wird auf dem Kongress „International Industrial Convention on Biomimetics 2011“ am 16. und 17. März 2011 in Berlin vorgestellt.

Veranstalter des Kongresses sind die Bionik-Kompetenznetze BIOKON und BIOKON international mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. „Patenlösungen aus der Natur für die Technik, Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen“, so erklärt BIOKON-Geschäftsführer Dr. Rainer Erb die Aufgabe der gemeinnützigen Forschungsgemeinschaft. „Die Arbeiten von Markus Hollermann und Felix Förster sind hier ein weiteres schönes Beipiel für den Einsatz und Nutzen der Bionik, auch weil die beiden mit den fischerwerken einen tollen Partner gefunden haben, der die Ergebnisse ihrer Arbeit für die Entwicklung bionischer Befestigungselemente weiter nutzen wird.“

Weitere Informationen unter http://www.biomimetics-convention.com und http://www.biokon.net .